
Bei lockerer Bewölkung treffen wir uns um 10:30 Uhr an der Fellhornbahn, wobei die Tour eigentlich schon früher beginnt: im Bus, wo sich unsere Gruppe zusammenfindet. Mit dabei sind unser Tourenleiter Stefan „Full Attack“ Tauscher sowie Roman, Astrid, Martina, Sophia, Walter und Janina.
Von der Kanzelwand steigen wir mit Ski am Rucksack zur Kanzelwandscharte auf. Von dort führt uns die Route zunächst hinab: über aufgefirnte Hänge, mit Querungen und kurzen Passagen durch Latschen bis in den Warmatsgund. Die Bewölkung wird dichter, doch die Stimmung bleibt ungetrübt. Mit Vorfreude auf den Winterraum steigen wir weiter zur Fiderepasshütte.
Dort werden wir von ersten Schneeflocken empfangen, und von einem sichtbar ausgekühlten Fußgängerpaar. Während wir den Ofen rasch einheizen und es uns gemütlich machen, bleibt ein gewisses Staunen darüber, wie man zu dieser Jahreszeit in leichter Ausrüstung hier oben unterwegs sein kann.
Der Abend verläuft genau so, wie man es sich wünscht: Jeder hat etwas mitgebracht, es wird gemeinsam gekocht, gelacht und erzählt. Zwischen Pasta, Salat und einem Glas Rotwein vergeht der erste Tag in bester Hüttenatmosphäre.

Am nächsten Morgen weckt uns strahlender Himmel, der Horizont in warmes Orange getaucht. Nach einem zügigen Frühstück brechen wir in Richtung Fiderescharte auf.
Dort werden die Ski erneut am Rucksack befestigt, und wir steigen zu Fuß ein Stück über den steilen Grat hinauf.
Was folgt, sind traumhafte Firnhänge: glitzernder Schnee, weite Hänge, perfekte Bedingungen. Die Abfahrt führt uns hinunter zur „Schwangeren Bettlerin“. Mit Blick auf die Allgäuer Hochalpen und begleitet von einem Bartgeierpaar queren wir weiter in Richtung Mindelheimer Hütte.
„Besser kann’s doch nicht werden“, ruft Stefan noch, und für einen Moment scheint das auch zu stimmen.

Kurz vor dem letzten Anstieg wird es dann doch noch spannend: Astrid rutscht in der steilen Spur aus, ein Ski löst sich und macht sich selbstständig talwärts. Während wir noch schauen, reagiert Walter sofort und nimmt die Verfolgung auf. Wenig später kehrt er tatsächlich mit dem Ski zurück, gestoppt offenbar durch eine kleine Geländeform, die dem „Fluchtversuch“ ein Ende gesetzt hat.
Erleichtert genießen wir die Pause an der Mindelheimer Hütte, bevor wir über firnige Hänge – unterbrochen von einigen Tragepassagen durch Latschen – zur Speicherhütte abfahren.
Dort trennt sich die Gruppe: Zwei steigen ins Tal ab, während wir übrigen mit Stefan weiterziehen.
Der Aufstieg durch den steilen, unverspurten Mutzentobel verlangt noch einmal Konzentration und saubere Spurarbeit. „Schön flach spuren“ lautet die Devise, und so arbeiten wir uns Schritt für Schritt nach oben.
Gämsen kreuzen unseren Weg, das Wetter wechselt zwischen Sonne und aufziehenden Quellwolken, bis wir schließlich den Winterraum der Rappenseehütte erreichen.

Dort, ohne Strom und Gas, heizen wir den Ofen ein und kochen im Kerzenschein ein Menü auf dem Ofen, das sich sehen lassen kann: zunächst eine kräftige Zwiebelsuppe, gefolgt von Rote-Bete-Feta-Salat und als Hauptgang Linsennudeln mit Zucchini und in Butter geröstetem Speck.
Der lange Tag steckt uns allen in den Knochen, und so wird es nach angeregten Gesprächen schnell ruhig im Winterraum.
Für den dritten Tag steht eigentlich die Begehung des Heilbronner Wegs auf dem Plan: eine anspruchsvolle Tour über den Steinschartenkopf, Kratzerfeld und Sperrbachtopel nach Spielmannsau, die gute Sicht erfordert.
Doch am Morgen zeigt sich schnell: Die Wolkenbasis hängt tief zwischen den Gipfeln, leichter Schneefall zieht durch. Während im Tal vereinzelt die Sonne durchkommt, fühlt es sich hier oben eher nach tiefstem Winter an. Die Entscheidung ist eindeutig: der Grat muss warten.
Stattdessen fahren wir die Route des Vortags wieder ab und gleiten durch das Rappenalptal hinaus. In der Birgsau gönnen wir uns zum Abschluss Cappuccino und Nusszopf und genießen nach zwei Tagen Winterraum den fast schon ungewohnten Luxus von fließend warmem Wasser.
Zurück bleibt eine rundum gelungene Tour: abwechslungsreich, fordernd und getragen von einer richtig guten Gruppendynamik.
Ein herzlicher Dank geht an unseren Tourenleiter Stefan „Full Attack“ Tauscher. Und vielleicht gibt es im nächsten Jahr eine zweite Chance für den Heilbronner Weg.
Autoren: Sophia Heinze und Janina Wachter






